Open-Source-Governance: Regeln, Lizenzen, Zuständigkeiten.
Stand: · ALVPHA Tech GmbH
Die Bausteine
- Richtlinie: welche Lizenzen und Quellen zulässig sind und wer freigibt
- Inventar: welche Komponenten in welchen Produkten und Releases stecken, idealerweise als SBOM
- Lizenzpflichten: Hinweise, Lizenztexte, Quellcode-Angebote je nach Lizenz erfüllen
- Sicherheit: Schwachstellen überwachen, bewerten und behandeln
- Zuständigkeiten: benannte Verantwortliche für Komponenten und Eskalationen
- Nachweise: Prüfstand und Entscheidungen für Kunden und Auditoren dokumentieren
Lizenzen: permissiv und Copyleft
Permissive Lizenzen wie MIT, BSD oder Apache-2.0 verlangen vor allem Hinweise und die Weitergabe des Lizenztexts. Copyleft-Lizenzen wie die GPL verlangen, dass abgeleitete Werke unter denselben Bedingungen weitergegeben werden; schwächere Varianten wie LGPL oder MPL begrenzen das je nach Art der Verknüpfung. Einheitliche SPDX-Lizenzkennungen machen diese Angaben maschinenlesbar und prüfbar.
OSPO und OpenChain
Größere Organisationen bündeln diese Aufgaben in einem Open Source Program Office (OSPO). Als Prozessstandards haben sich die OpenChain-Normen etabliert: ISO/IEC 5230 für Programme zur Lizenz-Compliance und ISO/IEC 18974 für Programme zur Sicherheit beim Einsatz von Open Source. Beide beschreiben, welche Prozesse vorhanden sein sollen, nicht welche Werkzeuge.
Bezug zum Cyber Resilience Act
Der Cyber Resilience Act verpflichtet Hersteller, bei der Integration von Komponenten Dritter, ausdrücklich auch freier und quelloffener Software, die gebotene Sorgfalt walten zu lassen (Art. 13 Abs. 5 der Verordnung (EU) 2024/2847). Eine gelebte Open-Source-Governance ist der praktische Weg, diese Sorgfalt nachzuweisen.
Häufige Fragen
Brauchen wir ein eigenes OSPO?
Nicht zwingend. Entscheidend sind klare Regeln, benannte Zuständigkeiten und ein gepflegtes Inventar; ein OSPO ist eine Organisationsform dafür.
Was bedeutet eine OpenChain-Selbstzertifizierung?
Eine Organisation erklärt, dass ihr Programm die Anforderungen von ISO/IEC 5230 bzw. ISO/IEC 18974 erfüllt. Es ist keine Drittzertifizierung durch eine Prüfstelle.
QUELLEN
- OpenChain Project: ISO/IEC 5230 und ISO/IEC 18974
- SPDX License List
- OSPO Alliance
- Verordnung (EU) 2024/2847 (Cyber Resilience Act), EUR-Lex
Dieser Artikel dient der fachlichen Orientierung und ist keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die verlinkten Primärquellen in ihrer jeweils geltenden Fassung.
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Passende Leistung: Open-Source-Governance und SBOM-Management